Promotion mit Interferenzen
Es freut mich besonders, dass ich seit heute ein Blogger bei den kosmologs sein darf, der Blog-Plattform von Sterne und Weltraum und Astronomie heute, den beiden großen populären Astronomiezeitschriften des Verlags Spektrum der Wissenschaft. Mein Blog steht unter dem Thema “Promotion mit Interferenzen” und ich möchte darin über meine Doktorarbeit berichten, die bisher schon sehr abwechslungsreich war und dies auch in Zukunft verspricht: Im April geht es wohl das nächste Mal nach Chile, wo ich dann mehr als eine Woche beim VLTI sein werde und auch versuchen werde, noch ein bißchen was von der Atacama-Wüste zu sehen…
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Uri Geller: “I’m a mystifier”
Dank der schnellen ICE-Verbindung war ich in nur etwa zwei Stunden von Heidelberg am MMC-Studio im Coloneum in Köln-Ossendorf. In diesem Kölner Stadtteil sind etliche Medien-Firmen untergebracht, wie man auch nach Einbruch der Dunkelheit an den Satellitenschüsseln der Sender erkennen kann:
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Auf dem Weg zum Coloneum fragten mich zwei Jugendliche in einem Auto mit Kölner Kennzeichen (!) nach dem Weg zum Coloneum. Ich hatte einen kurzen Moment überlegt, ihnen weiszusagen, dass sie Uri Geller aufsuchen werden, es dann aber doch gelassen…
Es geht los und rein ins Studio — oder zumindest in den Wartebereich drinnen…
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Dort treffe ich dann auch gleich Mark Schmidt, der als Zauberkünstler die Tricks von Uri Geller und Konsorten schon seit der ersten Sendung kritisch kommentiert und für den heutigen Abend die Karten organisiert hatte.
Im Vorraum werden die Zuschauer (einige hundert) nach Raucher und Nichtraucher sortiert: Die Raucher sollen dann weit vorne sitzen, um im richtigen Moment Zigarettenpackungen (die sie vorher ausgehändigt bekommen werden) zu zerknüllen und nach vorne zu schmeißen. Uri Gellers Mission heute Abend ist nämlich, den Leuten das Rauchen abzugewöhnen. Für sich genommen ja gar keine schlechte Sache.
Nachdem die Raucher reingelassen worden sind, drängt sich der Rest an der durch einen soliden Bodyguard versperrten Tür. Es ist ein bißchen Zeit, in die Menge zu blicken und sich die Leute anzuschauen, die sich da heute die “Mystery-Show” anschauen wollen: Es sind auffallend viele junge Frauen dabei, teils in weiblicher, teils in männlicher Begleitung, aber auch ältere Semester findet man. Spannend wäre es zu erfahren, mit welcher Erwartungshaltung die Leute da reingehen… Glauben die alle an übersinnliche Phänomene?
Die Masse setzt sich in Bewegung, es geht los. Im Studio angekommen, bin ich erstmal beeindruckt von der Technik: Es gibt kaum ein Stück an der Decke, an der nicht ein Scheinwerfer, ein Mikrofon, eine Kamera oder gar ein Kameramann befestigt ist. Vorne steht ein Bildschirm mit dem “The next Uri Geller”-Logo, das sich langsam dreht und größer und kleiner wird — es ist erst auf den zweiten Blick als Animation erkennbar. Dann wird man nach TV-Tauglichkeit platziert: Zwei freundliche Damen weisen einem dezent den Weg zur letzten oder ersten Bank. Wir sitzen im zweiten Block ganz vorne — direkt hinter den Rauchern und mit gutem Blick aufs Geschehen.
Als dann alle sitzen, taucht auch schon bald das erste Mal Uri Geller persönlich auf und gibt Anweisungen, was wir später bei seiner Show zu sagen haben: “Achad, Shtaim, Shalosh — Ich höre auf!”. Die ersten Wärter sind nur “eins, zwei drei” auf hebräisch, aber hören sich sehr magisch an. Beim Anweisungen-Geben ist Uri sehr autoritär: “Wenn ich sage ‘kommt nach vorne’, sollen einige Raucher schnell, schnell nach vorne kommen, wenn ich sage ‘es reicht’, geht zurück auf Eure Plätze, ich kann nicht alle hier vorne haben!”. Mit seinem Live-Übersetzer springt er auch nicht gerade freundlich um: Als dieser ihn live übersetzen will, mahnt er ihn an, ihn gefälligst ausreden zu lassen, später deutet er ihm dann mit Händen, er solle doch nun endlich übersetzen — für einen Show-Profi wie Geller wirkt das höchst unelegant.
Um 20:15 Uhr wird es ernst: Die Live-Show beginnt. Man merkt den Regie-Anweisern die Spannung an, die mit einer Live-Show wohl immer einhergeht. Dann geht es fast bis zum Ende in der Folge
- Moderator Stefan Gödde begrüßt die Zuschauer
- stellt einen Kandidaten vor
- Uri Geller, der etwas abseits in einem tiefen Sessel sitzt, blickt tief in sein Wasserglas und sagt gönnerhaft nach einer dramatischen Pause “The stage is yours.”
- Kandidat führt seinen Zaubertrick vor
- Stefan Gödde bemerkt, dass das alles sehr unglaublich und unerklärlich war
- Werbung
Die Kandidaten geben im Wesentlichen alle an, die Gedanken von Prominenten zu lesen. Dies geschieht einmal, indem sie vorhersagen, in welcher Hand ein Stein versteckt ist, den die Prominente vorher bekommen hat oder indem ein Bild erraten wird, das eine Prominente vorher gezeichnet hat oder indem reale oder fiktive Ereignisse vorhergesagt werden, die die Kandidaten angeblich vorher niedergeschrieben haben. Wie die Zaubertricks funktionierien, wird von Mark Schmidt auf stern.de erklärt. Als alle durch sind, kommt der (interessanterweise auch für die “Hellseher”) spannende Moment, wer denn nun in der Show bleiben darf und wer nicht. Entschieden haben die Zuschauer vorher per kostenpflichtigen Telefonanruf…
Anschließend darf Uri Geller dann selbst nochmal auf die Bühne, um den Leuten das Rauchen abzugewöhnen. Er zeigt konservierte Lungen von Rauchern (pechschwarz) und Nichtrauchern (weiß-gelblich) und nimmt selbst einen Zug von einer Zigarette, um den eingesogenen Qualm auf ein Taschentuch zu blasen, das anschließend unappetitlich aussieht. Aber die Leute sind ja nicht gekommen, um sich von Uri Geller zeigen zu lassen, wie ungesund Rauchen ist. Nein, sie wollen, dass er Ihnen hilft damit aufzuhören. Und das geht nach Uris Ansicht so: Die Anwesenden und auch die Zuschauer sollten den festen Willen fassen, mit dem Rauchen aufzuhören und alle zusammen die vorher gelernten Wörter laut rufen. Als Nebeneffekt dürfen die vorne platzierten noch Zigarettenpackungen zerknüllen und auf die Bühne werfen. Nach dem angeblich magischen Ritual soll es nun also klappen, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wird noch ein Gast interviewt, der angibt, seit Jahren nicht mehr zu rauchen, nachdem er vor einiger Zeit mal eine ähnliche Sendung mit Uri Geller gesehen habe. Um die letzten Zweifel auszuräumen, lässt uns Stefan Gödde wissen, dass in der nächsten Show per CallCenter überprüft werden wird, ob die Raucher nun wirklich Nichtraucher geworden sind. Zum Glück ist die ja schon in der nächsten Woche.
Nach dem Ende der Sendung konnte man sich von Uri Geller noch ein Autogramm geben lassen. Die Gelegenheit wollte ich nicht ungenutzt lassen:
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Nicht, dass ich es besonders auf ein Autogramm von Uri Geller abgesehen hätte, aber ich wollte gerne probieren, was James Randi vorhergesagt hat: Fragt Uri Geller, ob er ein “psychic” ist, also übersinnliche Fähgikeiten hat. Das ist eine Ja/Nein-Frage, aber Uri Geller wird die Frage nicht mit “Ja” oder “Nein” beantworten, sondern sich herauswinden.
http://www.youtube.com/v/-wocjkvVrmA&rel=1&border=1
Hier meine sehr kurze Konversation mit Uri Geller im Wortlaut:
Ich: Uri, Do you have psychic powers?
Uri Geller: I won’t answer that question! [Pause] I’m a mystifier. [Pause] Are you a magician?
Und das ist eben das Problem. Die Zaubertricks als solche sind nicht sonderlich beeindruckend; besonders wird die Show erst dadurch, dass die Kandidaten die Tricks angeblich eben ohne Tricks ausführen. Uri Geller hat über seine eigenen Fähigkeiten gesagt, er verwende keine Tricks, er könne gar keine Tricks (siehe auch das Video oben…). Doch daran darf mit einigem Recht gezweifelt werden. So ist er in der israelischen Variante dieser Show beim Mogeln ertappt worden (sein Anwalt hat dann wohl versucht, das Dokumentationsvideo von YouTube zu entfernen, aber ohne Erfolg).
Okay, also ist er ein Zauberer, der nicht zugibt, dass er zaubert — aber wo ist das Problem?
Das Problem ist, dass eben dieses Geisteskostüm (psychische Kräfte, dubioser Energiebegriff, telepathische Fähigkeiten) manche Leute nicht nur dazu bringt “Achad, Shtaim, Shalosh” zu schreien (sicherlich harmlos), sondern diese Möchtegerne-Fähigkeiten auch in anderen Bereichen anzuwenden, in denen sie nichts zu suchen haben. Besonders kritisch wird es im Gesundheitsbereich, wo es immer noch scharenhaft Leute gibt, die lieber diversen Quacksalbern glauben, als der wissenschaftlich geprüften Medizin zu vertrauen. Wohin das führen kann, hat Krista Federspiel von den österreichischen Skeptikern vor kurzem eindrucksvoll zusammengefasst.
Mehr zu Uri Geller steht auch im nächsten Skeptiker, der bereits vorbestellt werden kann… (Dort ist dieser Bericht auch erschienen)
Zu Gast beim ‘nächsten Uri Geller’
Heute Abend findet auf Pro7(*) (20:15 Uhr) wieder eine besondere Casting-Show statt: Der Löffelverbieger Uri Geller sucht seinen eigenen Nachfolger. Skeptiker haben dabei aber schon seit Jahren den begründeten Verdacht, dass seine Shows nur auf Tricks und nicht auf übersinnlichem basieren und verfolgen seine Aktionen kritisch mit. Für einen Menschen bei Verstand sollte eigentlich einfaches Zusehen genügen, um sich selbst ein Urteil bilden zu können, aber für einige reicht das offenbar nicht und dafür gibt es dann ein paar “Winke mit dem Zaunpfahl” auf den Skeptiker-Seiten…
Heute Abend findet also wie gesagt die nächste Show statt — und ich bin mit dabei! 🙂 Ich werde danach an dieser (und vielleicht auch an anderer Stelle) über die Erfahrung berichten. In drei Stunden geht es mit dem ICE nach Köln, um etwa 18 Uhr sollen wir ins Studio gehen, ab 20:15 Uhr wird dann live übertragen. Falls Uri wieder überzieht, werde ich dann wohl die halbe Nacht mit dem Zug von Köln zurück nach Heidelberg unterwegs sein — aber das ist es mir wert, den Chef-Trickser live zu erleben.
(*) Der Link führt in den Bereich show_comedy… Sagt das nicht schon alles?
Santiago de Chile
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Das erste was mir auffällt: Alles blüht! Neben den Hibiscus gibt es auch jede Menge Bäume und Sträucher, die ich noch nie zuvor gesehen habe…
Santiago ist eine faszinierende Stadt. Anfangs fällt mir die Orientierung schwer in dieser 6-Millionen-Metropole (inkl. umliegene Bereiche, die aber nicht von der Stadt zu trennen sind), als ich dann mal den Rio Mapocho gefunden habe und ein paar der vielen kleinen Hügel, die rings um die Stadt liegen, identifizieren kann, geht es deutlich besser.
Besonders beeindruckend ist der Blick vom Cerro San Cristóbal aus, einem 880 Meter hohen Aussichtsberg, der sich etwa 300 Meter über der Stadt erhebt. Aufgrund des vielen Smogs ist die Sicht auf die Anden nicht so klar, wie sie sein könnte, aber der Anblick sucht trotzdem seinesgleichen.
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Abends schlendere ich an der langen und breiten Hauptstraße Avenida Libertador Bernardo O’Higgins entlang. Bernardo O’Higgins verhalf Chile im Jahr 1818 zur Unabhängigkeit von Spanien und war das erste Staatsoberhaupt Chiles.
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An der Plaza de Armas fällt der künstliche Coca-Cola-Weihnachtsbaum etwas aus der Reihe…
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Mit den Palmen daneben fällt es (zumindest mir) auch etwas schwer mit Weihnachtsstimmung:
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Nach einem Abendessen in einem guten Fischrestaurant im Mercado Central, mache ich mich um etwa 22 Uhr auf den Weg zurück ins Gästehaus. Weder in der modernen Metro, noch auf der Straße habe ich das Gefühl, dass es hier unsicher ist. Im Gegenteil: Viele Leute grüßen einen, einige sprechen einen auch an (und ich versuche mit meinem “poquito de español” etwas anzufangen…) und bei denen, die Englisch können ist die erste Frage immer, ob es einem hier gefällt.
Zuhause sitze ich noch eine Weile mit Walter, Douglas (dem ESO Education officer, der mich mittlerweile für einen Artikel in “Science in School” eingeteilt hat…) und zwei anderen zusammen.
Rückfahrt
Ich bin noch fast im Nacht-Rythmus und stehe erst um 12 Uhr auf. Die Nacht-Astronomen, die die ganze Nacht am Teleskop waren, schlafen noch:
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Um richtig wach zu werden, mache ich meine morgendliche “kleine Wüstentour” (einmal rund um die Residencia, auf den nächsten Hügel und wieder zurück…). In der Lobby treffe ich Walter und diskutiere mit ihm über die Ergebnisse von gestern. Er erzählt mir dann auch von einer sehr experimentellen Beobachtung, bei der er heute Nacht (jetzt!) beide VLTI-Instrumente (MIDI + AMBER) zusammen verwenden will, um einen Exoplaneten zu sehen.
Wir gehen essen. Danach gehe ich in mein Zimmer zurück, packe alles zusammen und gebe die Schlüssel an der Rezeption ab. Obwohl man solche Schlüssel eigentlich am liebsten behalten würde:
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Nun erhalte ich auch bereits die Daten der letzten Nacht auf DVD:
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Mit der gründlichen Auswertung der Daten und der Diskussion und Interpretation der Ergebnisse werde ich wahrscheinlich bis Januar beschäftigt sein…
Nun geht es also los. Ich werfe noch einen Blick auf den schönen botanischen Garten der Residencia und steige dann in den schon wartenden Kleinbus ein. Mit im Bus sind unter anderem ein MIDI-“instrument scientist” und ein “software engineer”, dessen Firma von der ESO beauftragt worden ist, Software für die VLTI-Instrumente zu schreiben. Beim Verlassen des Geländes durch das Haupttor halten wir noch kurz beim Pförtner, jeder gibt seine ID-Karte ab (mit der man, je nach Zuständigkeit, auch den VLT-Kontrollraum betreten kann…). Hier sehe ich das erste Mal einen der Wasserlaster, die mehrmals täglich das Wasser hier her bringen:
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Die Tanklastzüge fahren dann die Strecke zum Teleskop etwa zwei Drittel hoch und füllen das Wasser dort in einen Tank. So kann das Wasser dann ohne weitere Pumpen direkt in das Rohrsystem geleitet werden.
Wir fahren die asphaltierte Straße vom Paranal hinunter und biegen links nach Antofagasta ab. Hier sieht man nun noch eine Landebahn im Sand, auf der in Notfällen Flugzeuge landen können. Bald danach hört die Asphaltstraße auf:
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Der Bus fährt trotzdem mit 100 km/h weiter…
Später sind wir wieder auf einer Asphaltstraße (siehe Hinfahrt), dann biegen wir auf die Panamericana ein. Neben der Straße finden sich große Werbetafeln, die meisten von Kraftfahrzeugherstellern, z.B. mit einigem schweren Gerät mitten in der Wüste: “Ihr habt Straßen, wir haben SCANIA.” Es geht vorbei am Zementwerk in La Negra. Nachdem wir die Passhöhe bei La Negra überquert haben, sind wir bald im Dunst und in Antofagasta wieder unter der Wolkendecke:
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Von hier geht es nun direkt zum Flughafen. Die Dame beim Check-In ist sehr bemüht meinen Nachnamen richtig auszusprechen und es gelingt ihr auch fast. Ich erhalte einen Fensterplatz links. Bis zum Abflug ist noch eine Stunde Zeit, die ich nutze um einen chilenischen Hamburger zu essen: trockener Semmel mit Fleisch… Dazu gibt es aber immerhin eine scharfe salsa.
Der nagelneue A320 der LAN steht nun da und kann pünktlich “ge-boardet” werden. Die tiefe Wolkendecke haben wir bereits kurz nach dem Start unter uns gelassen. Beim Passieren der Wolkendecke sieht man den Schatten des Flugzeuges auf den Wolken:
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Wir fliegen über die Atacama-Wüste: Hunderte Kilometer weit und breit nichts, aber ein fantastischer Anblick in der roten Abendsonne. Im on-board-Unterhaltungsprogramm spielen sie “Desert Rose” von Sting…
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Dann gehe ich vor zum Kapitän und frage ihn, ob er wohl für mich noch einmal kurz über den Paranal fliegen könnte 😉 und kurze Zeit später sieht man ein paar winzige weiße Punkte am Boden:
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Ich habe mal etwas reingezoomt und ein paar Markierungen hinzugefügt, damit man die einzelnen Bereiche des Observatoriums besser erkennen kann:
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In der Ferne sieht man später die hohen Andengipfel noch rot leuchten, als die Sonne über der Wüste schon untergegangen ist. Nach knapp 2 Stunden Flug haben wir die 1100 km von Antofagasta nach Santiago zurückgelegt. In Santiago wartet wieder ein Fahrer mit einem großen blauen ESO-Schild und führt uns zum fürstlichen ESO-Gästehaus in Las Condes. Ich erfahre, dass die ESO dieses Gästehaus vor einigen Jahren von der chilenischen Regierung geschenkt bekommen hat. Das ist beruhigend, denn ansonsten müsste man dieses ausladende Haus mitten in der besten Gegend von Santiago schon fast befürchten, dass die ESO an den jüngst bemängelten zwei Milliarden Euro Steuerverschwendung beteiligt wäre!
Die ESO hat das Gästehaus nicht geschenkt bekommen, sondern kaufen müssen. Sie hat das Anwesen aber schon vor einigen Jahrzehnten, als die ersten Operationen in Chile begonnen, erworben. Damals war es der Hauptsitz der ESO und erfüllte auch repräsentative Aufgaben. Außerdem war der Grund damals wohl auch noch längst nicht so teuer wie heute bei der mittlerweile hervorragenden Lage des Hauses.
Um dieser Zahl eine andere dagegen zu setzen: Bau und 15 Jahre Betrieb des Very Large Telescope kosten etwa 500 Millionen Euro. Aus dem Einsparen von Steuerverschwendung könnte Deutschland alleine sich also vier VLTIs (vier mal vier große + vier kleine Teleskope + Instrumente etc.) pro Jahr leisten!
So, nun gehe ich aber ins Bett, um dann mal schön langsam wieder in den Tages-Rythmus zu kommen…
NGC 1365
Dank der abgedunkelten Räume, konnte ich heute gut bis 12 Uhr schlafen. Um richtig aufzuwachen ging ich auf dem Weg zum Frühstück / Mittagessen einmal halb um die Residencia herum. Obwohl das nur wenige Minuten dauert, habe ich dafür etwas Sonnencreme aufgetragen, nachdem ich bei meinem letzten kurzen Abstecher ins Freie am Abend einen leichten Sonnenbrand hatte… Beim Mittagessen saß ich dann zusammen mit Christian Hummel, der in Garching beim ESO User Support Department (USD) arbeitet. Das USD ist dafür da, Leuten bei der Vorbereitung von Beobachtungen zu helfen und dazu müssen sich die Leute dort gut mit den Instrumenten auskennen. Daher muss jeder USD-Mitarbeiter, der VLT-Instrumente betreut, einmal im Jahr eine gewisse Zeit am Paranal zubringen.
Nach dem Mittagessen sprach ich mit Walter Jaffe nochmals über die Backup-Targets für heute Nacht. Das sind Objekte, die man anschaut, wenn die Bedingungen nicht gut genug sind, um die eigentlich beantragten Objekte zu beobachten. Auch die Backup-Targets müssen von der ESO genehmigt werden, damit man keiner anderen Forschungsgruppe “ihre” Galaxien wegschnappt! Wir hatten als Backup-Target bereits eine weitere Quelle genehmigt bekommen und wollten nun noch eine weitere beantragen, die dann gut gewesen wäre, wenn der Wind so stark von Süden gekommen wäre, dass das Teleskop nur nach Norden oder oben zeigen hätte können (am Konjunktiv kann der geneigte Leser erkennen, dass es nicht notwendig war…).
Beim Einreichen eines Beobachtungsantrags (eines Proposals) muss man genau spezifizieren welche Objekte man mit welchem Instrument anschauen will. Dann wird neben der technischen Machbarkeit auch die Blockliste für das gewünschte Instrument geprüft. Bei jedem Instrument haben die Erbauer ein Vorrecht auf einige Stunden Beobachtungszeit mit diesem Instrument (Guaranteed Time Observation, GTO) und sie können dafür auch eine Liste von Objekten aussuchen, die kein anderer mit diesem Instrument in einer gewissen Zeit beobachten darf. Typischerweise nach einem oder zwei Jahren sind selbstverständlich alle Daten öffentlich zugänglich. Damit möchte man einerseits Leute motivieren gute Instrumente zu bauen und ihnen dafür als Kompensation eine Exklusiv-Chance auf eine hervorragende Veröffentlichung zu geben, andererseits will man durch die limitierte Zurückhaltezeit der Daten die Erbauer auch zwingen, nicht zu lange “auf den Daten zu sitzen”, sondern sie bald zu veröffentlichen.
Nach dieser kurzen Diskussion, um etwa 14:15 Uhr, lege ich mich dann nochmals für eine Weile hin, um fit zu sein für die wichtige Nacht… Um kurz nach 16 Uhr mache ich mich aber wieder auf den Weg zum Büro, stelle noch einige Details für die Backup-Targets fertig und stelle die OBs (Observing Blocks) für alle Targets auf dem mir zugewiesenen Visiting-Astronomer-Computer (fett) zur Verfügung. Dann telefoniere ich mit meinem neuen day astronomer, Elenas Schicht ist vorbei. Er transferiert daraufhin die OBs von meinem Computer ins VLTI-Kontrollzentrum. Dies kann man nur vom Kontrollzentrum selber aus machen, denn obwohl die Kontrollzentrum-Computer theoretisch mit einem Kabel mit dem öffentlichen Internet verbunden sind, ist dazwischen eine extrem restriktive Firewall — man will ja auf jeden Fall vermeiden, dass jemand von außen auf die Kontrollcomputer zugreift.
Um etwa 18:45 Uhr gehe ich mit Walter und einigen anderen essen. Etwa eine halbe Stunde später, ziemlich genau eine Stunde vor Sonnenuntergang, kommen dann auch die night astronomers dazu, darunter Sébastien, “mein” night astronomer. Walter, Christian und ich fahren schon etwas früher hoch als die night astronomers.
20:00 Uhr Wir nehmen Platz an der VLTI-Kontrollstation. Im Gebäude ist es ziemlich warm (26° C), da die Klimaanlage ausgefallen ist, vermutlich aufgrund eines falschen Feueralarms heute Früh. Wir telefonieren herum, um die Klimaanlage wieder aktiviert zu bekommen.
20:12 Uhr Sonnenuntergang. Erst jetzt dürfen die Kuppeln richtig geöffnet werden.
20:25 Uhr Preset auf den ersten Kalibrator. Dabei werden die beiden Teleskope, die wir heute benutzen, UT3 und UT4, auf die Koordinaten eines Sterns gefahren, dessen Fluss (Helligkeit) wir in verschiedenen Wellenlängenbereich genau kennen. Damit kann man die atmosphärischen Fehler, die sich in die Messung des eigentlichen “science targets” einschleichen, zu einem großen Teil korrigieren. Der Himmel ist aber noch zu hell, damit die aktive Optik, die die Deformation aufgrund des Gewichts des Spiegels bei verschiedenen Teleskop-Positionierungen korrigiert, einen Leitstern finden kann.
20:49 Uhr Endlich ist der Himmel dunkel genug, aktive und adaptive Optik sind am Korrigieren (“loop closed”). Die adaptive Optik (MACAO) versucht das Seeing (die Deformationen der Wellenfront), die durch die turbulente Atmosphäre zustande kommen, auszugleichen. Nun da die Teleskop-Operateure ihre Arbeit erledigt haben (das Bild des Kalibrator-Sterns ist in beiden Teleskopen zu sehen und die Korrekturmechanismen funktionieren), fängt die VLTI-Operateurin an, das Bild der Quelle im unterirdischen Tunnel, den Delay Lines, die die unterschiedlichen Lichtwege der beiden Teleskope ausgleichen, genau zu zentrieren. Dort gibt es eine weitere Korrekturoptik, IRIS, die mindestens zwei Abweichungen korrigiert, die in den Delay-Line-Tunneln auftreten: Einerseits gibt es das so genannte “tunnel seeing”, das dadurch entsteht, dass die Delay Lines nicht evakuiert sind, sondern in Luft sind. Außerdem macht sich auf den bis zu etwa 100 Meter langen Lichtwegen im Untergrund der VLTI-Plattform, die Erdkrümmung bereits bemerkbar, die ebenfalls korrigiert wird. Eine weitere Korrektur, die hier noch dazukommt, ist daraus begründet, dass im mittleren Infrarotbereich (um 10 µm), in dem wir beobachten, sehr viel Hintergrundlicht vorhanden ist. 10 µm entspricht nämlich der Wellenlänge, bei der Material, das 30° C warm ist, am meisten abstrahlt. Und Material, das etwa 30° C warm ist, gibt es jede Menge im Strahlengang des VLT: Die Spiegel, Halterungen, die Gebäude selbst, … Alles strahlt hier. Dazu kommt noch der Himmel selbst, der bei 10 µm nachts fast genauso hell ist wie tagsüber! In Zahlen ausgedrückt ist von 1000 Photonen, die der Detektor empfängt nur eines wirklich eines, das von der Quelle kommt, der Rest ist Rauschen. Da das Rauschen aber nicht mit der Quelle korreliert ist (an jeder Stelle des Himmels gleich aussieht), kann man einen guten Teil davon entfernen, indem man das Teleskop an eine etwas andere Stelle fährt, dort ein Bild macht und dieses Bild von dem eigentlichen Bild abzieht. Das ganze muss man mindestens einmal pro Sekunde machen, denn in der Zeit hat sich die Atmosphäre schon wieder etwas verändert. Darüber hinaus, gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Tricks, die man anweden muss, um die Quelle detektieren zu können.
20:52 Bereits drei Minuten später ist das Bild im IRIS-Sensor stabilisiert und es geht weiter mit einem “acquisition image” mit den MIDI-Sensoren. Dabei werden die Photonen, die die beiden Teleskope gesammelt haben und die die diversen Korrekturmechanismen passiert haben, im Interferometer Teleskop für Teleskop betrachtet und genau zentriert. Der Kalibrator-Stern ist schließlich als heller Punkt zu sehen, alles bestens soweit.
20:56 Die Daten (mehrere hundert MB) wurden auf den Archivierungsserver geschrieben, der neben den eigentlich Messdaten auch alle nur erdenklichen Aufnahmebedingungen mit aufnimmt und zu den Daten dazuschreibt. Wir fangen nun mit dem so genannten “fringe search” an. Um aus dem Zusammenschalten der beiden Teleskope wirklich die Auflösung eines großen Teleskopes zu erreichen, lässt man das Licht der zwei Teleskope miteinander interferieren. Das heißt: Man kombiniert die Lichtstrahlen der beiden Teleskope miteinander und schaut sich das an, was dabei rauskommt. Aus der Messung, wie viel schwächer dieser so genannte “korrelierte Fluss” im Vergleich zum “unkorrelierten”, also dem eines einzelnen Teleskops, ist, kann man einiges über die Quelle erfahren. Damit das Licht aber miteinander interferieren kann, muss es exakt die gleiche Strecke zurückgelegt haben. Da die beiden Teleskope aber eine gewisse Entfernung voneinander entfernt stehen (bei uns mit der UT3-UT4-Basislinie heute waren das 62,463 Meter), hat das Licht vom Stern bis zu dem einen Teleskopspiegel eine andere Strecke zurückgelegt als bis zum anderen. Diese Entfernung hängt neben dem Abstand der Teleskope natürlich auch noch davon ab, wo der Stern gerade steht. Im Zenit ist die Strecke zu beiden Teleskopen exakt gleich, am Horizont ist sie maximal unterschiedlich. Dieser Effekt wird genau durch die schon genannten “Delay Lines”, die das Licht des einen Teleskops gegenüber dem des anderen verzögern, kompensiert. Dies wird erreicht, indem das Licht auf einen weiteren Spiegel (in der Delay Line) gelenkt wird, der auf Schienen bewegbar ist. Da wir aber Interferometrie bei 10 µm machen, müssen die Delay Lines eben auch auf etwa diesen Wert (eher besser) genau die unterschiedliche Lichtlaufstrecke ausgleichen. Das geht aber leider nicht, weil es derzeit nicht möglich ist, den Abstand der beiden Teleskope auf wenige Millionstel Meter genau zu bestimmen. Daher fahren die Delay-Lines die ungefähre Position des so genannten “zero fringe” an, wo man durch konstruktive Interferenz Verstärkung des Lichts sieht. Von dort aus übernimmt dann das “fringe search”-Kommando (währenddessen ein Sonar-Geräusch vom Kontrollcomputer ertönt) und variiert die optische Pfaddifferenz (Optical Path Difference, OPD) so lange, bis es Interferenzen findet. Dieser Prozess ist bei hellen Quellen meistens kein Problem, bei den schwachen Quellen ist das oft der kritische Part, der entscheidet, ob man überhaupt etwas sieht oder nicht. In unserem Fall dauert der Fringe Search 3 Minuten. Ergebnis: Die OPD des zero fringe ist 342 µm von der Stelle weg, bei der die Delay Lines ihn vermutet haben. Das ist okay.
20:59 Uhr Nun können wir mit dem “Fringe Track” anfangen. Dabei wird die optische Pfaddifferenz um einen bekannten Wert kontinuierlich verändert. Die Fringes verschieben sich dadurch, der ungewünschte Hintergrund bleibt allerdings an der selben Stelle, denn dieser wird ja nicht von beiden Teleskopen aus gleich gesehen (ist nicht korreliert). So kann die Signalqualität weiter gesteigert werden. Der Seeing-Monitor zeigt ein Seeing von 1,28 Bogensekunden an, für den Paranal ein eher mittelmäßiger Wert, wenn man bedenkt, dass hier schon Seeing-Werte von unter 0,2” gemessen worden sind, die besten Werte weltweit. Für das europäische Festland liegt das Seeing (wieder laut Wikipedia) bei 2 bis 5 Bogensekunden.
21:07 Wir starten mit der Photometrie des Kalibrators. Wenn man nur den korrelierten Fluss misst, weiß man ja noch nicht, wieviel Licht wirklich von beiden Teleskopen, die stets etwas unterschiedlich sind, ankommt. Um das herauszufinden, wird im Interferometer (MIDI) nacheinander einer der beiden Strahlengänge blockiert und der Gesamtfluss (die Gesamthelligkeit) dieses Strahlengangs gemessen. Inklusive dem Schreiben der Daten, wieder einige hundert MB, dauert das knapp 10 Minuten.
21:16 Wir fangen mit unserer ersten Quelle an: NGC 7469, eine Seyfert 1 Galaxie. Hier wird es schon deutlich interessanter, denn die Quelle ist sehr schwach und zunächst gelingt es nicht, sie in IRIS zu sehen, dann sehen wir sie zwar in IRIS, aber in MIDI ist sie nicht zu sehen. Wir probieren verschiedene Filter, um den Hintergrund besser zu unterdrücken. Das Seeing, das sich zwischendurch auf 1,08” verbessert hatte, verschlechtert sich wieder auf 1,3”, die Quelle ist in IRIS wieder weg. Wir versuchen noch allerlei Dinge, bis wir um 22:11 Uhr entscheiden, die Quelle für heute aufzugeben und uns der nächsten Quelle zuzuwenden.
22:19 Uhr UT3 und UT4 fahren die Galaxie NGC 1365, eine so genannte Seyfert 2 Galaxie, an. Hier schaut es besser aus: Die adaptive Optik kann das Seeing korrigieren, IRIS findet die Quelle auf anhieb, aber bei der Kontrolle in MIDI ist das Bild im Strahlengang von UT3 zunächst nicht zu sehen. Wir erhöhen die Frequenz der Hintergrund-Aufnahmen, das Seeing verschlechert sich weiter auf 1,45”. Im UT3-Beam ist nun etwas sehr schwaches zu sehen. Wir versuchen unser Glück und starten den “fringe search” — und wir finden Interferenz-Streifen! Die Qualität ist nicht überragend, aber es reicht.
23:13 Uhr Wir beginnen wieder damit Kalibratoren aufzunehmen. Auch diese Messungen müssen oft wiederholt werden, um ein möglichst gutes Bild der Atmosphäre zu dem Zeitpunkt zu erhalten, zu dem auch die Interferenzen aufgenommen worden sind.
Um 23:51 Uhr sind wir damit fertig und fahren zu unserem nächsten “science target”, LEDA17155, auch eine Seyfert-2-Galaxie. Diese Galaxie ist aber nicht viel heller als NGC 7469 und auch hier haben wir große Probleme, die einzelnen Subsysteme darauf einzustellen. Um 00:20 Uhr müssen wir auch hier die Entscheidung treffen, weiterzumachen und die Quelle aufzugeben.
00:21 Uhr Wir fahren den nächsten Kalibrator-Stern an, wieder HD015815. Alles funktioniert wie geplant und kurz darauf können wir nochmals NGC 1365 anfahren und dort wieder ein Interferenz-Muster aufnehmen. Da sich die Erde inzwischen ein gutes Stück gedreht hat, gibt dieses Muster wertvolle Zusatzinformationen zu dem, das wir zwei Stunden zuvor aufgenommen haben. Wir machen noch einige weitere Messungen an dieser Galaxie und um 01:26 Uhr müssen wir unsere Beobachtungen beenden, da die halbe Nacht vorbei ist.
Nun wird ein weiteres Teleskop, UT1 dazugeschaltet, und interferometrische Beobachtungen mit AMBER, dem zweiten derzeit verwendeten interferometrischen Gerät des VLTI, werden gestartet. Walter und ich schauen dort aber nicht mehr zu, sondern haben bereits die Datenanalyse-Software gestartet, um uns die Ergebnisse von heute Nacht anzuschauen. Wir probieren einige schnelle Verfahren und finden etliche interessante Merkmale in den interferometrischen Spektren von NGC 1365, die es in nächster Zeit genauer zu analysieren gilt.
02:02 Uhr Während wir am Datenauswerten sind, fängt plötzlich alles an zu wackeln, ein Erdbeben! Anfangs merkte ich es kaum, doch dann wurde es etwas stärker und man spürte deutlich wie der ganze Boden sich bewegte, Regale wackelten, Besteck klirrte. Nach etwa einer Minute war es vorbei. Der Erdbeben-Monitor spuckte sofort die Werte aus
LAST QUAKE: IGNORE
WAS AT: Nov 24 05:02
MERCALLI: 2,8
RICHTER: 4,4
Die Werte veränderten sich nachträglich nochmal nach unten und dann wieder etwas nach oben, als nach und nach die Messungen der anderen Erdbeben-Stationen in Chile eintrafen. Für das Teleskop war es kein Problem, denn die sind darauf ausgerichtet. Und ein so schwaches Beben wie dieses kommt hier wohl wirklich sehr häufig vor. Kurz bevor ich ankam, am Mittwoch, gab es eines, das deutlich heftiger war (Mercalli 3,5). Die Mercalliskala gibt dabei die Wirkung eines Erdbebens am entsprechenden Ort an und ist daher zur Bewertung eines Erdbebens an einem bestimmten Ort besser geeignet als die ansonsten international übliche Richter-Skala, die die Stärke des Bebens in 100 km Entfernung zum Epizentrum angibt.
03:30 Uhr Walter und ich machen uns auf den Weg zur Residencia, unsere halbe Nacht ist vorbei und wir sind müde. Eine halbe Nacht mit zwei Teleskopen am VLTI lässt sich in Kosten von etwa 50 000 Euro ausdrücken, wobei ich aber nicht weiß, ob das nur die Instandhaltungskosten (Infrastruktur, etwa 130 Personen auf dem Berg unterhalten, …) oder die Baukosten inklusive Instandhaltungskosten (500 Millionen Euro für 15 Jahre) beinhaltet. In jedem Fall ist es viel Geld und vor allem eine sehr begehrte Forschungsstätte, denn im Gegensatz zu normalen Teleskopen, gibt es ein optisches Interferometer mit bis zu 130 Metern Basislänge nur einmal auf der Welt.
Damit verabschiede ich mich für heute. Morgen werde ich noch ein bißchen mit Walter die Daten sichten, um 16 Uhr fahre ich dann mit dem Bus zurück nach Antofagasta, von wo aus der Flieger nach Santiago zurückgeht. Dort gebe ich am Dienstag noch einen Vortrag, am Mittwoch geht es dann wieder via São Paulo zurück nach Frankfurt, wo ich am Donnerstagvormittag deutscher Zeit ankomme.
Zunächst freue ich mich nun aber darauf, in den nächsten Tagen noch etwas von Chile sehen zu können…
Very Large Telescope
Während der Nacht ist die Residencia nach außen hin komplett lichtisoliert. Im Moment ist das zwar nicht so wichtig, weil gerade fast Vollmond ist, aber in einer dunklen Nacht will man natürlich jegliche Lichtverschmutzung vermeiden und diesen einzigartigen Standort so gut wie möglich nutzen. Die nächste größere Stadt, Antofagasta, ist etwa 130 km nördlich und ansonsten gibt es hier nichts, was in der Nacht leuchten könnte. Sämtliche Fenster werden deshalb über Nacht mit lichtdichten Jalousien versehen, der Haupteingang ist, wie gesagt, eine “Lichtschleuse”, Autos dürfen nur mit Standlicht fahren, die Straßen sind lediglich mit kleinen orangen Lichtern versehen, um die Grenze des Asphalts aufzuzeigen. Da nicht nur kein Licht raus, sondern auch kein Licht reinkommt, wenn man die Jalousien zumacht, lässt es sich damit auch tagsüber einigermaßen gut schlafen, was für alle Nachtschicht-Leute natürlich unabdingbar ist. Ich gewöhne mich schön langsam an einen etwas späteren Rhythmus und stehe heute um 9 Uhr (13 Uhr deutscher Zeit) auf. Nach einem guten Frühstück, mache ich mich auf den Weg in mein Büro, wo ich mich weiter in die Vorbereitung für die Beobachtung vertiefe. Beobachtungen an den VLT-Instrumenten ermöglichen die Einstellung dutzender, manchmal hunderter, Parameter. Da man keine Zeit hat, am Teleskop etwas auszuprobieren, oder das zumindest soweit wie möglich vermeiden möchte, muss alles bis ins letzte Detail vorab simuliert werden, um sicher zu sein, das meiste aus der begehrten, knappen Beobachtungszeit herauszuholen. Um etwa 10 Uhr kommt Walter Jaffe in mein Büro. Er ist, zusammen mit meinem Doktorvater Klaus Meisenheimer, der Initiator des MIDI-AGN-Projektes, in dem Aktive Galaxienkerne (Active Galactic Nuclei, AGN) mit dem MIDI, dem MID-Infrared-Instrument des VLTI angeschaut werden. Wie der Name (dem Eingeweihten) verrät, handelt es sich dabei um ein Gerät, das im so genannten N-Band empfindlich ist. Das N-Band ist ein Wellenlängen-Bereich im elektromagnetischen Spektrum von etwa 8 bis etwa 13 µm (Mikrometer, Millionstel Meter), bei dem die Atmosphäre mehr oder weniger durchlässig ist, obwohl auch hier etliche Absorptionsbanden von Ozon, Wasser und anderen Molekülen vorhanden sind. Mit MIDI kann man das Licht von zwei Teleskopen vereinen. Das können entweder zwei der großen Teleskope (‘Utility Telescope’, UT, Hauptspiegel-Durchmesser: 8,2 Meter) oder auch zwei der kleineren Hilfteleskope (‘Auxiliary Telescope’, AT, Hauptspiegel-Durchmesser: 1,8 Meter) sein. Die Sensitivität des Gesamt-Instruments sinkt durch das Zusammenschalten aufgrund vieler komplizierter Vorrichtungen, die die atmosphärischen und Interferometer-bedingten Fehler ausgleichen: Von 100 Photonen die auf den Hauptspiegel eines der Teleskope fallen, kommen am Ende nur 2 an. Das ist leider unvermeidlich, wenn man das Interferometer nicht ausschließlich als solches, sondern, wie beim VLT sogar hauptsächlich, auch als vier individuelle Teleskope benutzen will. Während man beim Zusammenschalten also viel des kostbaren Lichts verliert, gewinnt man dafür an Auflösung: Die weltweit größten Einzelteleskope, die Keck-Teleskope mit 10 Meter Hauptspiegel-Durchmesser, könnten im für unsere Fälle interessanten Wellenlängen Bereich von 10 µm zwei Punkte noch getrennt wahrnehmen, wenn sie lediglich 0,3 Bogensekunden auseinander sind. Das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges liegt bei etwa 1 Bogenminute, die Keck-Teleskop können also etwa 200 mal kleinere Winkel auflösen. Das VLTI in seiner größten UT-Konfiguration mit einem Teleskop-Abstand von 130 Metern, kann dagegen sogar Winkel von 0,02 Bogensekunden auflösen, das entspricht etwa der Größe eines 1-Euro-Stücks im Abstand von 200 km oder, und das ist nun das, was uns in diesem Projekt interessiert, einer Skala von etwa einem Parsec in nahen Galaxien (Entfernung wenige Millionen Parsec). Ein Parsec ist die typische Entfernung von zwei Sternen voneinander in einer Galaxie und außerdem die Größenskala der Staubscheiben, die in den Aktiven Galaxien alles weiter innen liegende bei manchen Blickwinkeln verdecken. Okay, soweit also dazu erstmal.
Ich unterhalte mich dann etwa zwei Stunden mit Walter Jaffe, der eine Version der Datenauswertungs-Software für MIDI-Daten geschrieben hat und sich auch deshalb sehr gut mit allen Details auskennt. Wir besprechen die Beobachtungsstrategie.
12:30 Uhr Mittagessen. Ich sitze mit Walter Jaffe und zwei weiteren Herren am Tisch, von dem mir einer sehr bekannt vorkommt, den ich aber zunächst nicht einordnen kann. Als er sich dann aber als “Education Officer” der ESO zu erkennen gibt, weiß ich auch wieder, dass ich im Februar dieses Jahres in Garching schon mal mit ihm gesprochen habe, als ich beim Auswahlgespräch für meine Bewerbung um eine Promotionsstelle in Garching auch mal kurz bei der ESO vorbeigeschaut habe. Der andere Tischnachbar ist Stan, der “Shift Manager”.
etwa 14 Uhr Ich sitze wieder an meinem Büro-Computer, der den Namen “fett” trägt. Die Bedeutung des Namens wird einem klar, wenn man sieht, dass der Nachbarcomputer “chewbacca” heißt: Es sind Namen aus der Star-Wars-Saga. Boba Fett ist ein Kopfgeldjäger.
Bei einem Interferometer kommt es neben dem Abstand der Teleskope auch noch auf den Winkel der Teleskopachse relativ zur Quelle, dem so genannten Positionswinkel (Position Angle, PA) an. Mit “Quelle”, manchmal auch “Objekt” meint man hier immer Himmelsobjekt, also in meinem Fall eine Galaxie. Um Herauszufinden, ob der Staub-Torus nicht achsensymmetrisch ist, sondern der Staub beispielsweise in Klumpen angeordnet ist, wovon alle gängigen Modelle ausgehen, muss man die Quelle unter verschiedenen Positionswinkeln und mit verschiedenen Basislängen betrachten. Da sich die Erde um sich selbst dreht, ändert sich dieser Winkel im Laufe einer Nacht, je nachdem, wo das Objekt steht, mehr oder weniger deutlich.
16:10 Uhr Ich habe die Türe zu meinem Büro geöffnet, um ein bißchen kühlere Luft reinzulassen; am Nachmittag wird es dann doch ziemlich warm auch hier drinnen. Das ganze Gebäude ist zwar unterirdisch gebaut, aber die Westseite schaut aus dem Berg heraus. Gegenüber sind Büros der Ingenieure, wo man allerlei Musik hört, immer wieder unterbrochen von Funksprüchen: jeder, der nicht entweder in der Residencia oder im Kontrollraum bei der Teleskopplattform ist, muss ein Funkgerät mit sich führen, speziell wenn man zu Fuß unterwegs ist.
19:30 Uhr Meine “daytime”-Astronomin Elena holt mich ab und ich fahre das erste Mal zur Teleskopplattform hoch, die knapp 200 Meter über der Residencia liegt und über eine asphaltierte Straße erreichbar ist. Neben der Straße ist eine kleine Steinmauer, auf der auf Englisch und Spanisch steht, man soll sie keinesfalls betreten, “Vorsicht Hochspannung”. Hier wird der Strom für die Teleskope vom Kraftwerk auf “basecamp”-Niveau zum Teleskop geführt. Strom wird hier aus Dieselgeneratoren erzeugt, der Diesel dafür wird täglich mit Lastwagen auf den Berg gefahren… Ein ziemlicher Aufwand, aber offenbar das günstigste und sicherste: Solarzellen wären teurer, außerdem hätte man das Problem, dass man viel Strom für die Nacht speichern müsste und die nahegelegene Erdgas-Pipeline will man auch nicht anzapfen, denn die kommt aus Argentinien und die Argentiner drehen den Chilenen wohl ganz gerne hin und wieder das Gas ab, wenn es zu politischen Querelen zwischen den beiden Ländern kommt… Neben Diesel-Lastern fahren hier auch täglich drei Laster mit Wassertanks hoch.
Oben angekommen gehen wir in das Kontrollgebäude, das am Südende der Beobachtungsplattform liegt. Die Beobachtungsplattform entstand 1994 durch das Absprengen und Abtragen der Spitze des Cerro Paranals, der damit von 2660 auf 2635 Meter verkleinert wurde. 350 000 Kubikmeter Gestein wurden damals entfernt, um ausreichend Platz für die Teleskope und vor allem das weitläufige VLT-Interferometer (VLTI) zu schaffen. Eindrucksvolle Bilder vom “Umbau” des Berges sind in einer ESO-Pressemitteilung veröffentlicht.
Im Kontrollgebäude zeigt mir Elena kurz die Stationen. Gleich beim Eingang rechts (siehe Album) ist die VLTI-Station, die regulär von zwei oder drei TIOs (Telescope and Instrument Operators), einem Interferometer-Controller, einem “nighttime astronomer”, der sich perfekt mit dem Interferometer-Instrument auskennt und gegebenenfalls einem oder mehreren Astronomen (z.B. mir 🙂 ) besetzt ist. Außerdem befinden sich in dem Raum die Stationen für die vier UTs und für VISTA, einem Survey-Teleskop in der Nähe, das derzeit gebaut wird.
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Im VLTI-Kontrollbereich sieht man hier (siehe Album) die beiden TIOs links, die VLTI-Operateurin (Mitte) und den nighttime astronomer (rechts). Ganz rechts saßen heute ein Herr vom ESO User Support Department aus Garching (auf dem Bild gerade nicht da) und ich.
Bei diesem Close-Up vom Arbeitsbereich des nighttime-Astronomen, sieht man die Monitore zur Instrumenten-Bedienung, Fernseher, die die Teleskope und die diversen Teile des Interferometers, das sich über mehr als hundert Meter unterirdisch verteilt. Ganz links im Bild eine Uhr, die Universal Time (Greenwich-Zeit) und lokale Sternzeit anzeigt. Aus Sternzeit und den Objekt-Koordinaten lässt sich schnell sagen, wo ein Objekt gerade am Himmel steht. Rechts oben sieht man den Erdbeben-Anzeiger, der über das letzte Erdbeben (ein kleines gestern), informiert.
Dann geht es durch einen Tunnel zum ältesten der großen Teleskope, UT1, das auf den Namen Antu getauft wurde. In der Sprache der Mapuche-Indianer, einem der indigenen Völker Südamerikas, heißt das “Sonne”. Auch die anderen drei großen Teleskope haben Mapuche-Namen: Kueyen (Mond), Melipal (Kreuz des Südens) und Yepun (Venus). Am Ende des Tunnels geht es unterirdisch steil hinauf, bis wir auf der Ebene der Beobachtungsplatform angelangt sind, wo eine unscheinbare Tür mit “UT1” beschriftet zum Teleskop führt. Der erste Eindruck ist überwältigend.
Der zweite auch… Ich muss mich in den äußersten Winkel der Kuppel zurückziehen, um es in mein Weitwinkel-Objektiv zu bekommen. Vielleicht kann man die Größe etwas einschätzen, wenn man eine Skala (1,90 ohne Arm und Zehenspitzen) daneben sieht:
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Mit mir sind noch eine andere daytime-Astronomin (eine australische ESO-Fellow) und ein weiterer “visiting astronomer” (ein italienischer Postdoc) dabei. Der Sekundärspiegel dieses Riesenteleskops hat mehr als einen Meter Durchmesser, der 8,2 Meter große Hauptspiegel wiegt etwa 23 Tonnen.
Ich schaue dem Ingenieur über die Schulter, wie er das Teleskop für die nächtliche Beobachtung vorbereitet:
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Kurz vor Sonnenuntergang findet das so genannte “dome opening” statt; wenn es der Wind erlaubt (heute nicht), werden dann außerdem die Seitenwände geöffnet, damit ein guter Luftaustausch zwischen Teleskop und Außenwelt stattfinden kann und das gefürchtete “dome seeing”, Luftunruhe aufgrund eines Temperaturunterschieds zwischen Kuppel und Umgebung, mehr oder minder vermieden werden kann. Der Ingenieur sagt mir, dass die beweglichen Teile des Teleskops etwa 400 Tonnen wiegen.
Er führt das “Start-Up Telescope”-Script aus, hier eine Bildschirmaufnahme:
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Links auf dem Bildschirm sieht man diverse Messwerte, darunter die Temperatur des Taupunktes. Sollte die Umgebungstemperatur in die Nähe des Taupunktes kommen, wird die Kuppel geschlossen, damit das Teleskop nicht beschlägt.
Nachdem die Kuppel geöffnet ist, gehen wir hinaus und stehen unmittelbar vor UT2, daneben geht gerade der Mond auf. Von etwas weiter weg, ist folgende Aufnahme entstanden:
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Hier sieht man alle vier UTs, im Vordergrund auch drei der vier ATs und zwischen UT3 und UT4 das VST (VLT Survey Telescope), ein noch nicht betriebsbereites Teleskop. Die kleinen ATs sind auf Schienen zu verschiedenen Positionen fahrbar. Damit kann man sozusagen die Spiegelfläche eine 200-Meter-Teleskops “abfahren” und so mit genügend vielen Beobachtungen und einigen Tricks, ein sehr scharfes Bild erhalten.
Zusammen mit den anderen schauen wir den Sonnenuntergang von ganz oben an, ein atemberaubend schöner Anblick:
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Die Sonne geht über dem Pazifik unter. Das Meer sieht man aber nicht, sondern nur die Wolkendecke, die hier stets wie eine riesige Wattelandschaft liegt. Nach Sonnenuntergang fahre ich mit Stan, dem shift manager, wieder hinunter zur Residencia und esse zu Abend. Es ist etwa 20:30 Uhr.
21:15 Uhr Ich treffe Stan bei der Rezeption und fahre wieder hinauf zur Teleskopplattform. Die Dämmerung ist schon weit fortgeschritten und die “night astronomers” haben ihre ersten Kalibrierungsarbeiten vorgenommen. Ich darf heute bei einer Beobachtung mit MIDI zuschauen, dem Gerät, mit dem ich morgen beobachten werde.
Vielleicht wäre ‘messen’ der passendere Begriff, denn man sitzt in einem nach außen lichtdichten Raum und kontrolliert auf diversen Monitoren (siehe oben), ob alles passt. Das Wetter ist leider ziemlich schlecht. Wie schlecht genau, kann man auf der ESO Ambient Conditions-Seite nachschauen. Wie die ganze Woche schon war der Wind sehr stark: Wenn die Windgeschwindigkeit 12 Meter pro Sekunde (etwas über 40 km/h) überschreitet, werden die Teleskope nur noch gegen den Wind gerichtet, gibt es stürmischen Wind (ab 65 km/h) werden die Kuppeln geschlossen. Auch die Luft ist für die Verhältnisse hier heute eher unruhig, dazu ist es leicht bewölkt: Keine guten Bedingungen, um Interferometrie zu betreiben.
Sébastien versucht es trotzdem, da die Manager der einzelnen Teleskope keine Beobachtungsprojekte in der Warteliste haben, die unter diesen Bedingungen ausgeführt werden können. Zunächst fahren wir die Teleskope zu Kalibrator-Sternen. Das sind Sterne, bei denen die Helligkeit aus anderen Messungen oder aus Modellen bekannt ist, und die für die Eichung der Interferometrie-Messungen herangezogen werden. Später versuchen wir auch noch ein “science target”, in unserem Fall ein junger Stern, bei dem man die Gaswolke aus der er entstanden ist, noch gut sehen kann. Diese werden untersucht, um den Prozess der Sternentstehung besser zu verstehen.
Ich bleibe noch bis etwa 2 Uhr oben und fahre dann mit Stan wieder runter. Es folgt die nächtliche Berichterstattung und nun ist es in Westeuropa schon kurz nach 8 Uhr… Guten Morgen zusammen!
Ankunft am Cerro Paranal
Mittwoch, 21. November 2007, 5:00 Uhr (chilenische Zeit: MEZ – 4 Stunden) Der Wecker klingelt. Sicherheitshalber das Handy gleich darauf auch noch. Es ist noch dunkel im ESO-Gästehaus und ich mache mich auf den Weg in den Frühstücksraum. Doch davor gehe ich dann doch noch kurz hinaus (Richtung Loggia), um zu sehen, was der Sternenhimmel in Santiago zeigt. Leider nicht sehr viel, wie für eine 6-Millionen-Region auch nicht anders zu erwarten. Immerhin sieht man aber den umgekehrten Orion und Mars leuchtet hell vom Himmel. Im Frühstückszimmer wartet ein “continental breakfast” auf mich, das die Küchen-Leute gestern abend offensichtlich schon vorbereitet hatten, jedenfalls ist von keinem Menschen eine Spur zu sehen. Ich esse eine orangefarbene Paste, die in einer Butterdose verpackt ist, mit Butter aber wenig zu tun hat, es schmeckt angenehm fruchtig.
6:00 Uhr Das Taxi steht vor der Tür und bringt mich zum Flughafen. Die meisten Leute hier sprechen kein Englisch — ein ideales Land also, um Spanisch zu lernen: “Hablo un poquito español”, ich kann mittlerweile wenigstens die rudimentärsten Ausdrücke… Einiges versteht man aber (dank Latein!) ohnehin sofort. In der Morgendämmerung fahre ich am Cerro San Cristóbal vorbei; von oben soll man einen schönen Blick auf die Stadt haben, vielleicht kann ich ihn mir nächste Woche noch anschauen. Am Flughafen sehe ich die Sonne hinter den Bergen aufgehen (siehe Album)…
7:30 Uhr Mit einem Airbus A320 der chilenischen LAN, der größten Fluggesellschaft Südamerikas, geht es vom Flughafen Arturo Merino Benitez, Santiago, zum Aeropuerto Internacional Cerro Moreno, Antofagasta. Ich habe selten einen so ruhigen und angenehmen Flug erlebt, wie diesen: Keinerlei Turbulenzen und eine hervorragende Sicht auf die Andenausläufer und das Meer, denn der Flug führt genau an der Küste entlang. Während Santiago noch auf 522 m Meereshöhe liegt, ist man in der Wüsten- und Hafenstadt Antofagasta auf Meeresniveau, der Flughafen liegt allerdings etwas außerhalb der Stadt auf 140 m über NN.
9:30 Uhr Unter den wartenden Abholern entdecke ich gleich einen Herrn mit blauem ESO-Schild… “Leonard?” fragt er und zeigt mir einen Kleinbus am anderen Ende des Parkplatzes mit Zielangabe “PARANAL”. Ich gehe dort hin, spreche noch kurz mit einem weiteren Mitfahrer (der sich später als Schweizer ESO-Ingenieur entpuppte…) und mache es mir in der letzten Reihe auf den großen bequemen Sitzen gemütlich. Vorhänge auf, iPod an, Kamera raus… Ich bin bereit für die Fahrt!
10:00 Uhr Es geht los. Während man sich auf dem Flughafengelände nicht wie in der Wüste vorkommt, merkt man beim zurückblicken (siehe Album) schnell, dass es nur ein (vermutlich künstlicher) grüner Fleck in der weiten orange-grauen Landschaft ist. Die Farbe ist dem vielen Kupfer zu verdanken, das er hier in Mengen gibt. Chile ist mit weitem Abstand der größte Kupfer-Förderer der Welt.
Wir sind auf dem Weg nach Antofagasta, mit über 300 000 Einwohnern ist es die fünftgrößte Stadt Chiles und ein wichtiger Hafen für Nordchile und Bolivien, das hier nur etwa 100 km entfernt ist und seit dem Salpeter-Krieg (siehe unten) keinen Meerzugang mehr besitzt. Der Hafen wurde für die Salpeter-Wirtschaft gebaut: Bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges hatte Chile nämlich quasi das Salpeter-Monopol auf der Welt. Und den Stoff brauchte man, um Düngemittel und vor allem Sprengstoff herzustellen. Er war damals so wichtig, dass Chile und Peru / Bolivien dafür sogar einen fünfjährigen Krieg (1879 bis 1884) anzettelten. Mit der Entwicklung der künstlichen Herstellung von Salpeter durch die Deutschen Fritz Haber und Carl Bosch (Patentanmeldung 1910) wurde es aber bald unbedeutend.
10:30 Uhr Zwischenstopp bei einem Parkplatz in Antofagasta. Es steigen nochmals einige Leute zu, allesamt Chilenen, vom ESO-Büro in Antofagasta. Später erfuhr ich, dass das “ESO staff”-Leute waren, die für Sicherheit, medizinische Versorgung und Mechanik zuständig sind. Um 10:35 Uhr fahren wir vom Parkplatz wieder los und auf eine Straße, auf der Santiago mit 1300 km Entfernung angeschrieben ist. Die Straße führt erst ins Landesinnere, bis wir in ein Tal einbiegen. Dort sind wir nun auf der berühmten Panamericana, der etwa 25 000 km langen Straße von Alaska nach Feuerland. Wir fahren aber nur etwa 30 km auf dieser Straße… Es geht vorbei an einem großen Zementwerk (das den Zement wohl aus dem Fluss Bío Bío gewinnt, siehe Album).
11:30 Uhr Kein Handy-Empfang mehr, ein Straßenschild kündigt an: “fin de pavimento”, Ende der Asphaltstraße. Der Busfahrer fährt deswegen aber nicht langsamer…
12:00 Uhr Ein schönes ESO-Schild “Paranal Observatory” zeigt, dass wir uns dem Observatorium nähern. Es folgen Hinweisschilder, dass man ab hier nur noch mit Standlicht fahren soll, die Straße ist wieder asphaltiert.
12:40 Uhr Ankunft am Paranal nach insgesamt etwa 42 Stunden Reisezeit (ab Frankfurt). Zunächst stoppen wir am Sicherheitsposten, wo alle Fahrgäste eine ESO-ID-Magnetkarte zum Umhängen erhalten. Die Karte wird zum öffnen von Türen und für Speisen gebraucht und weist einen aus. In meinem Fall “Astronomer, Visitor 216”. Kurz darauf fahren wir noch ein paar hundert Meter weiter zur Residencia, dem wohl bekanntesten “Hotel” für Astronomen. Mein Zimmer ist leider noch besetzt. Ich gehe daher erstmal in das “Casino” und nehme ein leichtes Mittagessen zu mir. Dabei unterhalte ich mich einem der Fahrgäste, der sich dabei als französischsprachiger schweizer ESO-Ingenieur herausstellt, der vor einigen Jahren ausgewandert ist. Er erzählt mir, dass die Ozonschicht hier besonders dünn ist. Das freut die Astronomen (weniger atmosphärische Absorption), bedeutet aber, dass man untertags besonders guten Sonnenschutz braucht. Schließlich liegt dieses “basecamp” des Cerro Paranal auf 2456m Seehöhe.
14:15 Uhr Elena, meine “daytime”-Astronomin stellt sich mir vor. Jedem besuchenden Astronomen hier werden ein daytime- und ein nighttime-Astronom zugewiesen, an die man sich bei den Vorbereitungen (daytime) bzw. während des Beobachtens selbst (nighttime) wenden kann. Die meisten Vorbereitungen für meine Beobachtung am Freitag sind schon erledigt (dazu später mehr), dennoch erhalte ich ein “Science Operations – Visiting Astronomers”-Büro zugewiesen (siehe Album). Auf den Computer dort muss vor der Beobachtung der OB (Observing Block) hochgeladen sein. In einem OB stehen die wesentlichen Parameter für die Beobachtung (Koordinaten, Belichtungszeit, Anzahl der Aufnahmen, Filter, evtl. genaue Zeit etc.).
15:00 Uhr Sicherheitsinstruktion bei Antonio. Er holt mich in der Residencia ab und wir gehen etwa 500 Meter in freier Luft zu einem anderen Gebäude. Schon nach wenigen Malen ein- und ausatmen merkt man, dass es hier extrem trocken ist. Jegliche Feuchtigkeit auf den Lippen verschwindet sofort, atmet man durch den Mund hat man sofort ein trockenes Gefühl im Mund. Man versteht dann, dass die Atacama-Wüste als trockenste Wüste der Welt gilt, im Jahresmittel fällt hier laut Wikipedia nur 1/50 der Regenmenge des Death Valley. Und das ist ja auch nicht gerade durch üppige Vegetation bekannt. Antonio erklärt mir, dass sie letzte Woche hier 2% Luftfeuchtigkeit gemessen haben, derzeit hat es etwa 5%, was dem Durchschnitt entspricht. Für die optische Astronomie ist das einer der Gründe, warum man das Teleskop hierhin gestellt hat: Wasserdampf absorbiert, speziell im Infrarotbereich, sehr stark und nur in trockenen und hohen Regionen kann man überhaupt Infrarot-Astronomie von der Erde aus betreiben. Für einen selber bedeutet das aber, dass man extrem viel trinken muss, um nicht zu dehydrieren. Die Sicherheitshinweise sind großteils selbsterklärend: Man soll nicht alleine durch die Wüste wandern, nicht unbedingt am ersten Tag hier oben gleich Squash spielen (ja, es gibt hier auch einen Squash-Court!) und generell immer langsam gehen. “Nicht mal 2500 Meter, was soll das denn!”, mag man sich dabei denken (dachte ich mir auch zuerst), aber es ist schon etwas anderes, wenn man mit einem Wanderrucksack schön langsam auf diese Höhe steigt oder wenn man im bequemen Bus hierher gebracht wird. Die Trockenheit und die Zeitumstellung sorgen für den Rest. Die meisten Übergänge zwischen den Etagen sind hier jedenfalls als ziemlich flache Rampen gebaut, so dass man sich nicht zu sehr anstrengen muss…
16:00 Uhr Mein Zimmer ist leider immer noch nicht bezugsbereit. Ich kehre zurück in mein Büro und sammele meine Beobachtungsvorbereitungen zusammen, rekapituliere die wichtigsten Dinge. Die Beobachtung ist allerdings erst am Freitag, so dass noch zwei ganze Tage für Feinabstimmungen vorhanden sind.
18:00 Uhr Mein Zimmer ist nun bezugsbereit. Ich sammele meine Sachen zusammen und beziehe das Zimmer. Es gibt einen kleinen Schreibtisch mit Telefon- und Internet-Anbindung, ein Bett und ein kleines Bad mit fließend Wasser, in der Wüste durchaus ein Luxus! Die Tür öffnet ebenerdig, ich gehe aus dem Zimmer und auf den kleinen Hügel oberhalb der Residencia. Die Sonne steht schon recht tief und beleuchtet schön die Wolkendecke über dem Pazifik, die hier in gutem Abstand unter einem liegt. Beim Anstieg merke ich die Höhe sehr deutlich. Nach nur wenigen Schritten muss ich deutlich langsamer gehen. Von oben bietet sich ein schöner Blick über den gesamten Bereich und die große Weite der Atacama-Wüste. Durch die viele Bewegung fühle ich mich etwas niedergeschlagen und verspüre ein leichtes Kopfweh. Ich ruhe mich ein bißchen auf dem Bett aus.
19 Uhr Elena, meine daytime-Astronomin, ruft von der UT1-Kontrollstation aus an, wo sie den Tag über Justage-Arbeiten durchführt. Sie wollte mir eine Führung über die Teleskop-Plattform geben, insbesondere das “dome opening”, kurz nach Sonnenuntergang, wollte sie mir zeigen. Das geht heute aber leider nicht: Da der Wind zu stark ist, bleiben die Teleskope heute zu. Auch die letzten Tage war das Wetter wohl nicht gut zum Beobachten geeignet, desöfteren konnten nur wenige Nachtstunden genutzt werden. Wir verschieben die Teleskop-Führung auf morgen. Bei Sonnenuntergang hat sie “handover” zum entsprechenden nighttime-Astronomen. Danach treffe ich mich mit ihr und einigen anderen Astronomen, Ingenieuren und Computer-Leuten zum Abendessen im Casino. Zuvor kann ich aber noch von meinem Zimmer aus den Sonnenuntergang über der pazifischen Wolkendecke beobachten (siehe Album). Bereits kurz nach Sonnenuntergang sind die ersten Sterne zu sehen.
22 Uhr Ich gehe noch kurz aus der Residencia, um ein paar Fotos vom Nachthimmel zu machen und mir am Südsternhimmel eine erste Orientierung zu verschaffen… (mehr oder weniger ergebnislos). Ich werde es morgen mit Sternkarte nochmals probieren. Für die wissenschaftlichen Beobachtungen freilich ist es (fast) egal, sich am Nachthimmel auszukennen, alle wesentlichen Informationen werden aus den Koordinaten berechnet und die Teleskope fahren ohnehin automatisch an die gewünschte Stelle. Gewisse Basis-Kentnisse am Sternenhimmel sind dann allerdings doch notwendig, aber leider nicht bei allen Berufsastronomen vorhanden: Von den abgelehnten VLT-Anträgen werden laut ESO-Statistik immerhin ein paar mit der Begründung “wrong hemisphere” abgelehnt!
Der fast-Vollmond mindert leider den Nachthimmeleindruck deutlich. Für meine Beobachtungen ist das allerdings ziemlich egal, da sie im Infraroten stattfinden. Denn derselbe Effekt, der den Himmel blau erscheinen lässt (Rayleigh-Streuung: kürzerwelliges, “blaueres” Licht wird viel stärker gestreut als längerwelliges, “röteres”), führt natürlich dann auch dazu, dass das Streulicht des Mondes im Infraroten keine große Rolle spielt. Daher erhält man für Infrarot-Beobachtungen eben Nächte um Vollmond…
Damit verabschiede ich mich für heute… Wer den Blog liest, darf gerne auch einen Kommentar hinterlassen! 🙂
ESO Guesthouse / Santiago de Chile
Es ist jetzt 22:16 Uhr chilenischer Zeit (2:16 Uhr mitteleuropäischer Zeit) und ich wollte noch kurz bild-dokumentarisch den heutigen ereignisreichen Tag festhalten. Nach der Zwischenlandung in der 20-Millionen-Menschen-Agglomeration São Paulo ging es mit Swiss dann über die Anden, vorbei am Aconcagua, der mit knapp 7000 m der höchste Gipfel der Anden ist. Das Flugzeug befand sich zu dem Zeitpunkt schon im Landeanflug, so dass man den Berg gut sehen konnte. Die Höhe kann man aus dem Flugzeug natürlich schwer einschätzen — das geht dann besser von Santiago aus (Bilder siehe Album). Nach der Ankunft in Santiago war es bei der Gepäckrückgabe interessant zu sehen, was da außer normalen Koffern noch so alles ankam: Große Metallboxen mit Aufschriften diverser Forschungsorganisationen und Sportausrüstung mit “ANTARCTIC EXPEDITION” etwa.
Alle mussten dann beim Zoll ihr Gepäck (und sich selbst!) nochmals kontrollieren lassen — der Import von Lebensmitteln nach Chile ist verboten. Nachdem ich alle Kontrollen passiert hatte, suchte ich nach einem Herren mit einem großen blauen ESO-Schild. Am Flughafen gibt es allerdings zwei Ausgänge — und ich nahm den falschen. Dort stürzte sich eine Horde Taxifahrer und Hotel-Vermittler auf mich, die alle auch irgendwie zur ESO gehörten (behaupteten sie jedenfalls)… Nach kurzer Zeit kam dann der wirkliche ESO-Fahrer und fuhr mich in rasantem Tempo auf der Autobahn vom Flughafen nach Las Condes, dem östlichen Stadtteil Santiagos, in dem sich das ESO-Gästehaus befindet.
Dort wurde ich zunächst von einem sehr freundlichen, aber natürlich nur spanisch sprechenden Koch empfangen und zog mich erst mal auf mein Zimmer zurück. Kurz darauf kam ein Anruf von Sonia, die das Gästehaus im Wesentlichen wohl managt. Sie führte mich durch die durchaus weiten Anlagen, siehe Album.
Chile gilt zwar in Südamerika als sicherstes Land, aber gerade in Santiago sollte man nachts schon wissen, wo man sich bewegt. Wohl aus diesem Grund, ist der ganze Komplex von einer großen Mauer mit Stachelzaun umgeben…
Das Gebäude inklusive der üppigen Gartenanlagen (mit Swimming Pool!) hat die ESO vor über 30 Jahren erworben und damals darin die ersten ESO-Büros in Chile aufgebaut. Heute dient das Gebäude hauptsächlich als Zwischenabsteige für “Visiting Astronomers”, die auf dem Weg zu einer der vielen ESO-Astronomie-Plätze in Chile sind: La Serena (La Silla Observatory), Paranal (VLTI), San Pedro de Atacama (APEX, bald ALMA). Das eigentliche Hauptgebäude der ESO in Santiago ist heute an einem anderen Ort. Ich werde es in einer Woche sehen, wenn ich dort einen “lunch talk” halten werde…
Im Hotelzimmer fällt einem dann noch auf, dass auf den Hotel-obligatorischen Sicherheitshinweisen Erdbeben an erster Stelle stehen…
Immerhin ist beim jüngsten Erdbeben letzte Woche für ein 7,7 (Richterskala)-Erdbeben vergleichsweise wenig passiert, insbesondere scheint es das dem Erdbeben nächste Teleskop, das VLT, nicht beeindruckt zu haben:
On November 14 at 12:41 LT an earthquake with magnitude 7.7 (Richter) with epicenter north of Antofagasta affected the north of Chile. In Paranal it was registered with a magnitude of 5.7, a peak ground acceleration of 0.6m/s2 and for a duration of approx 2 minutes. This has been the strongest earthquake since 1997, the first “high risk” earthquake since the start of operation of the VLT, and the first strong earthquake since the opening of the residencia. Neither injuries to the people nor damages to the installations have been registered. After extended checkout procedures, the regular night time operations have been resumed at the sunset. All the systems have been operated without restrictions, including all four UTs (with their instruments and the LGS) and the ATs with VLTI.
several other minor episodes have been registered in the following 24 hours without any impact on the normal VLT activities.
Um etwa 19 Uhr wurde dann als Appetizer vor dem Essen ein Pisco Sour in der Loggia serviert…
Dabei traf ich dann erstmals auch die anderen beiden Gäste, die hier derzeit wohnen: Der ESO-Personalchef Roland Block und eine Doktorandin aus Schweden, die in den nächsten Tagen ihre Beobachtungen in La Silla starten wird. Zum Dinner bei chilenischem Rotwein versammelten wir uns im Haus, die Chefin des Hauses, Sonia, stieß auch noch mit dazu und so war es eine nette internationale Runde.
So, das war’s dann mal für heute. Es ist 22:42 Uhr chilenischer Zeit. Morgen geht es früh los: Um 6 Uhr holt mich ein Taxi ab und bringt mich zum Flughafen in Santiago, von wo aus ich nach Antofagasta fliege; von dort werde ich wieder von ESO-Leuten abgeholt und zum Paranal gefahren werden. Dort oben habe ich dann noch zwei Tage Akklimatisierungs- und Vorbereitungs-Zeit; am Freitag horchen dann eine halbe Nacht lang zwei der großen Teleskope (UT3, UT4) auf mein Kommando! 🙂
Angekommen
Gestern, am Montag, 19. November, flog ich um 22:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit von Frankfurt (Main) aus zu meiner ersten Beobachtungsreise nach Chile los. Gerade eben bin ich im ESO Gästehaus in Las Condes / Santiago angekommen und habe das Zimmer Nr. 1 bezogen. Weiteres folgt…