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Uri Geller: “I’m a mystifier”

Dank der schnellen ICE-Verbindung war ich in nur etwa zwei Stunden von Heidelberg am MMC-Studio im Coloneum in Köln-Ossendorf. In diesem Kölner Stadtteil sind etliche Medien-Firmen untergebracht, wie man auch nach Einbruch der Dunkelheit an den Satellitenschüsseln der Sender erkennen kann:

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Auf dem Weg zum Coloneum fragten mich zwei Jugendliche in einem Auto mit Kölner Kennzeichen (!) nach dem Weg zum Coloneum. Ich hatte einen kurzen Moment überlegt, ihnen weiszusagen, dass sie Uri Geller aufsuchen werden, es dann aber doch gelassen…

Es geht los und rein ins Studio — oder zumindest in den Wartebereich drinnen…

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Dort treffe ich dann auch gleich Mark Schmidt, der als Zauberkünstler die Tricks von Uri Geller und Konsorten schon seit der ersten Sendung kritisch kommentiert und für den heutigen Abend die Karten organisiert hatte.

Im Vorraum werden die Zuschauer (einige hundert) nach Raucher und Nichtraucher sortiert: Die Raucher sollen dann weit vorne sitzen, um im richtigen Moment Zigarettenpackungen (die sie vorher ausgehändigt bekommen werden) zu zerknüllen und nach vorne zu schmeißen. Uri Gellers Mission heute Abend ist nämlich, den Leuten das Rauchen abzugewöhnen. Für sich genommen ja gar keine schlechte Sache.

Nachdem die Raucher reingelassen worden sind, drängt sich der Rest an der durch einen soliden Bodyguard versperrten Tür. Es ist ein bißchen Zeit, in die Menge zu blicken und sich die Leute anzuschauen, die sich da heute die “Mystery-Show” anschauen wollen: Es sind auffallend viele junge Frauen dabei, teils in weiblicher, teils in männlicher Begleitung, aber auch ältere Semester findet man. Spannend wäre es zu erfahren, mit welcher Erwartungshaltung die Leute da reingehen… Glauben die alle an übersinnliche Phänomene?

Die Masse setzt sich in Bewegung, es geht los. Im Studio angekommen, bin ich erstmal beeindruckt von der Technik: Es gibt kaum ein Stück an der Decke, an der nicht ein Scheinwerfer, ein Mikrofon, eine Kamera oder gar ein Kameramann befestigt ist. Vorne steht ein Bildschirm mit dem “The next Uri Geller”-Logo, das sich langsam dreht und größer und kleiner wird — es ist erst auf den zweiten Blick als Animation erkennbar. Dann wird man nach TV-Tauglichkeit platziert: Zwei freundliche Damen weisen einem dezent den Weg zur letzten oder ersten Bank. Wir sitzen im zweiten Block ganz vorne — direkt hinter den Rauchern und mit gutem Blick aufs Geschehen.

Als dann alle sitzen, taucht auch schon bald das erste Mal Uri Geller persönlich auf und gibt Anweisungen, was wir später bei seiner Show zu sagen haben: “Achad, Shtaim, Shalosh — Ich höre auf!”. Die ersten Wärter sind nur “eins, zwei drei” auf hebräisch, aber hören sich sehr magisch an. Beim Anweisungen-Geben ist Uri sehr autoritär: “Wenn ich sage ‘kommt nach vorne’, sollen einige Raucher schnell, schnell nach vorne kommen, wenn ich sage ‘es reicht’, geht zurück auf Eure Plätze, ich kann nicht alle hier vorne haben!”. Mit seinem Live-Übersetzer springt er auch nicht gerade freundlich um: Als dieser ihn live übersetzen will, mahnt er ihn an, ihn gefälligst ausreden zu lassen, später deutet er ihm dann mit Händen, er solle doch nun endlich übersetzen — für einen Show-Profi wie Geller wirkt das höchst unelegant.

Um 20:15 Uhr wird es ernst: Die Live-Show beginnt. Man merkt den Regie-Anweisern die Spannung an, die mit einer Live-Show wohl immer einhergeht. Dann geht es fast bis zum Ende in der Folge

  • Moderator Stefan Gödde begrüßt die Zuschauer
  • stellt einen Kandidaten vor
  • Uri Geller, der etwas abseits in einem tiefen Sessel sitzt, blickt tief in sein Wasserglas und sagt gönnerhaft nach einer dramatischen Pause “The stage is yours.”
  • Kandidat führt seinen Zaubertrick vor
  • Stefan Gödde bemerkt, dass das alles sehr unglaublich und unerklärlich war
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Die Kandidaten geben im Wesentlichen alle an, die Gedanken von Prominenten zu lesen. Dies geschieht einmal, indem sie vorhersagen, in welcher Hand ein Stein versteckt ist, den die Prominente vorher bekommen hat oder indem ein Bild erraten wird, das eine Prominente vorher gezeichnet hat oder indem reale oder fiktive Ereignisse vorhergesagt werden, die die Kandidaten angeblich vorher niedergeschrieben haben. Wie die Zaubertricks funktionierien, wird von Mark Schmidt auf stern.de erklärt. Als alle durch sind, kommt der (interessanterweise auch für die “Hellseher”) spannende Moment, wer denn nun in der Show bleiben darf und wer nicht. Entschieden haben die Zuschauer vorher per kostenpflichtigen Telefonanruf…

Anschließend darf Uri Geller dann selbst nochmal auf die Bühne, um den Leuten das Rauchen abzugewöhnen. Er zeigt konservierte Lungen von Rauchern (pechschwarz) und Nichtrauchern (weiß-gelblich) und nimmt selbst einen Zug von einer Zigarette, um den eingesogenen Qualm auf ein Taschentuch zu blasen, das anschließend unappetitlich aussieht. Aber die Leute sind ja nicht gekommen, um sich von Uri Geller zeigen zu lassen, wie ungesund Rauchen ist. Nein, sie wollen, dass er Ihnen hilft damit aufzuhören. Und das geht nach Uris Ansicht so: Die Anwesenden und auch die Zuschauer sollten den festen Willen fassen, mit dem Rauchen aufzuhören und alle zusammen die vorher gelernten Wörter laut rufen. Als Nebeneffekt dürfen die vorne platzierten noch Zigarettenpackungen zerknüllen und auf die Bühne werfen. Nach dem angeblich magischen Ritual soll es nun also klappen, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wird noch ein Gast interviewt, der angibt, seit Jahren nicht mehr zu rauchen, nachdem er vor einiger Zeit mal eine ähnliche Sendung mit Uri Geller gesehen habe. Um die letzten Zweifel auszuräumen, lässt uns Stefan Gödde wissen, dass in der nächsten Show per CallCenter überprüft werden wird, ob die Raucher nun wirklich Nichtraucher geworden sind. Zum Glück ist die ja schon in der nächsten Woche.

Nach dem Ende der Sendung konnte man sich von Uri Geller noch ein Autogramm geben lassen. Die Gelegenheit wollte ich nicht ungenutzt lassen:

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Nicht, dass ich es besonders auf ein Autogramm von Uri Geller abgesehen hätte, aber ich wollte gerne probieren, was James Randi vorhergesagt hat: Fragt Uri Geller, ob er ein “psychic” ist, also übersinnliche Fähgikeiten hat. Das ist eine Ja/Nein-Frage, aber Uri Geller wird die Frage nicht mit “Ja” oder “Nein” beantworten, sondern sich herauswinden.

http://www.youtube.com/v/-wocjkvVrmA&rel=1&border=1

Hier meine sehr kurze Konversation mit Uri Geller im Wortlaut:

Ich: Uri, Do you have psychic powers?
Uri Geller: I won’t answer that question! [Pause] I’m a mystifier. [Pause] Are you a magician?

Und das ist eben das Problem. Die Zaubertricks als solche sind nicht sonderlich beeindruckend; besonders wird die Show erst dadurch, dass die Kandidaten die Tricks angeblich eben ohne Tricks ausführen. Uri Geller hat über seine eigenen Fähigkeiten gesagt, er verwende keine Tricks, er könne gar keine Tricks (siehe auch das Video oben…). Doch daran darf mit einigem Recht gezweifelt werden. So ist er in der israelischen Variante dieser Show beim Mogeln ertappt worden (sein Anwalt hat dann wohl versucht, das Dokumentationsvideo von YouTube zu entfernen, aber ohne Erfolg).

Okay, also ist er ein Zauberer, der nicht zugibt, dass er zaubert — aber wo ist das Problem?

Das Problem ist, dass eben dieses Geisteskostüm (psychische Kräfte, dubioser Energiebegriff, telepathische Fähigkeiten) manche Leute nicht nur dazu bringt “Achad, Shtaim, Shalosh” zu schreien (sicherlich harmlos), sondern diese Möchtegerne-Fähigkeiten auch in anderen Bereichen anzuwenden, in denen sie nichts zu suchen haben. Besonders kritisch wird es im Gesundheitsbereich, wo es immer noch scharenhaft Leute gibt, die lieber diversen Quacksalbern glauben, als der wissenschaftlich geprüften Medizin zu vertrauen. Wohin das führen kann, hat Krista Federspiel von den österreichischen Skeptikern vor kurzem eindrucksvoll zusammengefasst.

Mehr zu Uri Geller steht auch im nächsten Skeptiker, der bereits vorbestellt werden kann… (Dort ist dieser Bericht auch erschienen)


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