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Heute mal im UniSPIEGEL

Am 25. Januar bekam “meine” WG, bestehend aus der Senegalesin Emmanuelle, der Italienerin Veronica, dem Rostocker Lars und mir, Besuch von Jan Friedmann, Redakteur des UniSPIEGEL für ein mehrstündiges Gespräch inklusive Foto-Shooting… Dem zuvorgegangen war eine Ausschreibung auf SPIEGEL Online:

Am Küchentisch eurer WG wird vom Klimawandel bis zu Studiengebühren alles durchdiskutiert? Dann bewerbt euch – jetzt oder nie: Der UniSPIEGEL sucht den ultimativen WG-Rat.

Als sehr internationale und durchaus diskussionsfreudige WG haben wir uns davon angesprochen gefühlt und uns einfach mal per (ziemlich kurzer…) E-Mail an die dort angegebene Adresse “beworben”. Am 8. Januar bekam ich eine Mail von dem Spiegel-Redakteur, ob wir wohl mal telefonieren könnten… Einige Telefongespräche und E-Mails später war klar, dass wir der WG-Rat Deutschlands sind! 🙂

Wir vereinbarten einen Termin und Jan Friedmann rückte mitsamt Fotograf Theo Barth an. Wir diskutierten etwa zwei Stunden über das jetzt nach und nach in Deutschland eingeführte Rauchverbot, währenddessen und anschließend schoss Fotograf Theo Barth etliche Gigabyte an Fotos von uns: Beim Diskutieren, in der WG, vor dem Wohnheim, am Neckar mit Heidelberg im Hintergrund.

Nun, etwa drei Wochen später, ist die Diskussion mitsamt Fotos im UniSPIEGEL erschienen! Derzeit ist das PDF davon leider nur für Abonennent abrufbar. Aber in zwei Wochen soll es online kostenlos verfügbar sein — und ansonsten muss man sich halt eines der über 200 000 gedruckten Exemplare sichern…

Update (7.3.08): Nun ist der Artikel auch als normaler SPIEGEL-Online-Artikel abrufbar… Ich stelle mit Verwunderung fest, dass nicht nur für die gedruckte Ausgabe (“In Deutschland brauchst Du eine Regel”), sondern auch für die Online-Ausgabe (“Das Rauchverbot ist ein Riesenfortschritt”) meine unschuldige Meinung (im Wortalut) zum Titel verwendet wurde.
Und, übrigens, natürlich habe ich nicht gesagt, dass wir bald außerirdisches Leben finden werden… (sondern es lediglich für sehr wahrscheinlich halte, dass demnächst ein erdähnlicher Planet gefunden wird, der Leben beherbegen könnte.)

Die WG hat bereits Verhandlungen für Fan-Artikel mit Markenherstellern aufgenommen… 😉

Uri Geller: “I’m a mystifier”

Dank der schnellen ICE-Verbindung war ich in nur etwa zwei Stunden von Heidelberg am MMC-Studio im Coloneum in Köln-Ossendorf. In diesem Kölner Stadtteil sind etliche Medien-Firmen untergebracht, wie man auch nach Einbruch der Dunkelheit an den Satellitenschüsseln der Sender erkennen kann:

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Auf dem Weg zum Coloneum fragten mich zwei Jugendliche in einem Auto mit Kölner Kennzeichen (!) nach dem Weg zum Coloneum. Ich hatte einen kurzen Moment überlegt, ihnen weiszusagen, dass sie Uri Geller aufsuchen werden, es dann aber doch gelassen…

Es geht los und rein ins Studio — oder zumindest in den Wartebereich drinnen…

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Dort treffe ich dann auch gleich Mark Schmidt, der als Zauberkünstler die Tricks von Uri Geller und Konsorten schon seit der ersten Sendung kritisch kommentiert und für den heutigen Abend die Karten organisiert hatte.

Im Vorraum werden die Zuschauer (einige hundert) nach Raucher und Nichtraucher sortiert: Die Raucher sollen dann weit vorne sitzen, um im richtigen Moment Zigarettenpackungen (die sie vorher ausgehändigt bekommen werden) zu zerknüllen und nach vorne zu schmeißen. Uri Gellers Mission heute Abend ist nämlich, den Leuten das Rauchen abzugewöhnen. Für sich genommen ja gar keine schlechte Sache.

Nachdem die Raucher reingelassen worden sind, drängt sich der Rest an der durch einen soliden Bodyguard versperrten Tür. Es ist ein bißchen Zeit, in die Menge zu blicken und sich die Leute anzuschauen, die sich da heute die “Mystery-Show” anschauen wollen: Es sind auffallend viele junge Frauen dabei, teils in weiblicher, teils in männlicher Begleitung, aber auch ältere Semester findet man. Spannend wäre es zu erfahren, mit welcher Erwartungshaltung die Leute da reingehen… Glauben die alle an übersinnliche Phänomene?

Die Masse setzt sich in Bewegung, es geht los. Im Studio angekommen, bin ich erstmal beeindruckt von der Technik: Es gibt kaum ein Stück an der Decke, an der nicht ein Scheinwerfer, ein Mikrofon, eine Kamera oder gar ein Kameramann befestigt ist. Vorne steht ein Bildschirm mit dem “The next Uri Geller”-Logo, das sich langsam dreht und größer und kleiner wird — es ist erst auf den zweiten Blick als Animation erkennbar. Dann wird man nach TV-Tauglichkeit platziert: Zwei freundliche Damen weisen einem dezent den Weg zur letzten oder ersten Bank. Wir sitzen im zweiten Block ganz vorne — direkt hinter den Rauchern und mit gutem Blick aufs Geschehen.

Als dann alle sitzen, taucht auch schon bald das erste Mal Uri Geller persönlich auf und gibt Anweisungen, was wir später bei seiner Show zu sagen haben: “Achad, Shtaim, Shalosh — Ich höre auf!”. Die ersten Wärter sind nur “eins, zwei drei” auf hebräisch, aber hören sich sehr magisch an. Beim Anweisungen-Geben ist Uri sehr autoritär: “Wenn ich sage ‘kommt nach vorne’, sollen einige Raucher schnell, schnell nach vorne kommen, wenn ich sage ‘es reicht’, geht zurück auf Eure Plätze, ich kann nicht alle hier vorne haben!”. Mit seinem Live-Übersetzer springt er auch nicht gerade freundlich um: Als dieser ihn live übersetzen will, mahnt er ihn an, ihn gefälligst ausreden zu lassen, später deutet er ihm dann mit Händen, er solle doch nun endlich übersetzen — für einen Show-Profi wie Geller wirkt das höchst unelegant.

Um 20:15 Uhr wird es ernst: Die Live-Show beginnt. Man merkt den Regie-Anweisern die Spannung an, die mit einer Live-Show wohl immer einhergeht. Dann geht es fast bis zum Ende in der Folge

  • Moderator Stefan Gödde begrüßt die Zuschauer
  • stellt einen Kandidaten vor
  • Uri Geller, der etwas abseits in einem tiefen Sessel sitzt, blickt tief in sein Wasserglas und sagt gönnerhaft nach einer dramatischen Pause “The stage is yours.”
  • Kandidat führt seinen Zaubertrick vor
  • Stefan Gödde bemerkt, dass das alles sehr unglaublich und unerklärlich war
  • Werbung

Die Kandidaten geben im Wesentlichen alle an, die Gedanken von Prominenten zu lesen. Dies geschieht einmal, indem sie vorhersagen, in welcher Hand ein Stein versteckt ist, den die Prominente vorher bekommen hat oder indem ein Bild erraten wird, das eine Prominente vorher gezeichnet hat oder indem reale oder fiktive Ereignisse vorhergesagt werden, die die Kandidaten angeblich vorher niedergeschrieben haben. Wie die Zaubertricks funktionierien, wird von Mark Schmidt auf stern.de erklärt. Als alle durch sind, kommt der (interessanterweise auch für die “Hellseher”) spannende Moment, wer denn nun in der Show bleiben darf und wer nicht. Entschieden haben die Zuschauer vorher per kostenpflichtigen Telefonanruf…

Anschließend darf Uri Geller dann selbst nochmal auf die Bühne, um den Leuten das Rauchen abzugewöhnen. Er zeigt konservierte Lungen von Rauchern (pechschwarz) und Nichtrauchern (weiß-gelblich) und nimmt selbst einen Zug von einer Zigarette, um den eingesogenen Qualm auf ein Taschentuch zu blasen, das anschließend unappetitlich aussieht. Aber die Leute sind ja nicht gekommen, um sich von Uri Geller zeigen zu lassen, wie ungesund Rauchen ist. Nein, sie wollen, dass er Ihnen hilft damit aufzuhören. Und das geht nach Uris Ansicht so: Die Anwesenden und auch die Zuschauer sollten den festen Willen fassen, mit dem Rauchen aufzuhören und alle zusammen die vorher gelernten Wörter laut rufen. Als Nebeneffekt dürfen die vorne platzierten noch Zigarettenpackungen zerknüllen und auf die Bühne werfen. Nach dem angeblich magischen Ritual soll es nun also klappen, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wird noch ein Gast interviewt, der angibt, seit Jahren nicht mehr zu rauchen, nachdem er vor einiger Zeit mal eine ähnliche Sendung mit Uri Geller gesehen habe. Um die letzten Zweifel auszuräumen, lässt uns Stefan Gödde wissen, dass in der nächsten Show per CallCenter überprüft werden wird, ob die Raucher nun wirklich Nichtraucher geworden sind. Zum Glück ist die ja schon in der nächsten Woche.

Nach dem Ende der Sendung konnte man sich von Uri Geller noch ein Autogramm geben lassen. Die Gelegenheit wollte ich nicht ungenutzt lassen:

BILD

Nicht, dass ich es besonders auf ein Autogramm von Uri Geller abgesehen hätte, aber ich wollte gerne probieren, was James Randi vorhergesagt hat: Fragt Uri Geller, ob er ein “psychic” ist, also übersinnliche Fähgikeiten hat. Das ist eine Ja/Nein-Frage, aber Uri Geller wird die Frage nicht mit “Ja” oder “Nein” beantworten, sondern sich herauswinden.

http://www.youtube.com/v/-wocjkvVrmA&rel=1&border=1

Hier meine sehr kurze Konversation mit Uri Geller im Wortlaut:

Ich: Uri, Do you have psychic powers?
Uri Geller: I won’t answer that question! [Pause] I’m a mystifier. [Pause] Are you a magician?

Und das ist eben das Problem. Die Zaubertricks als solche sind nicht sonderlich beeindruckend; besonders wird die Show erst dadurch, dass die Kandidaten die Tricks angeblich eben ohne Tricks ausführen. Uri Geller hat über seine eigenen Fähigkeiten gesagt, er verwende keine Tricks, er könne gar keine Tricks (siehe auch das Video oben…). Doch daran darf mit einigem Recht gezweifelt werden. So ist er in der israelischen Variante dieser Show beim Mogeln ertappt worden (sein Anwalt hat dann wohl versucht, das Dokumentationsvideo von YouTube zu entfernen, aber ohne Erfolg).

Okay, also ist er ein Zauberer, der nicht zugibt, dass er zaubert — aber wo ist das Problem?

Das Problem ist, dass eben dieses Geisteskostüm (psychische Kräfte, dubioser Energiebegriff, telepathische Fähigkeiten) manche Leute nicht nur dazu bringt “Achad, Shtaim, Shalosh” zu schreien (sicherlich harmlos), sondern diese Möchtegerne-Fähigkeiten auch in anderen Bereichen anzuwenden, in denen sie nichts zu suchen haben. Besonders kritisch wird es im Gesundheitsbereich, wo es immer noch scharenhaft Leute gibt, die lieber diversen Quacksalbern glauben, als der wissenschaftlich geprüften Medizin zu vertrauen. Wohin das führen kann, hat Krista Federspiel von den österreichischen Skeptikern vor kurzem eindrucksvoll zusammengefasst.

Mehr zu Uri Geller steht auch im nächsten Skeptiker, der bereits vorbestellt werden kann… (Dort ist dieser Bericht auch erschienen)

Zu Gast beim ‘nächsten Uri Geller’

Heute Abend findet auf Pro7(*) (20:15 Uhr) wieder eine besondere Casting-Show statt: Der Löffelverbieger Uri Geller sucht seinen eigenen Nachfolger. Skeptiker haben dabei aber schon seit Jahren den begründeten Verdacht, dass seine Shows nur auf Tricks und nicht auf übersinnlichem basieren und verfolgen seine Aktionen kritisch mit. Für einen Menschen bei Verstand sollte eigentlich einfaches Zusehen genügen, um sich selbst ein Urteil bilden zu können, aber für einige reicht das offenbar nicht und dafür gibt es dann ein paar “Winke mit dem Zaunpfahl” auf den Skeptiker-Seiten…

Heute Abend findet also wie gesagt die nächste Show statt — und ich bin mit dabei! 🙂 Ich werde danach an dieser (und vielleicht auch an anderer Stelle) über die Erfahrung berichten. In drei Stunden geht es mit dem ICE nach Köln, um etwa 18 Uhr sollen wir ins Studio gehen, ab 20:15 Uhr wird dann live übertragen. Falls Uri wieder überzieht, werde ich dann wohl die halbe Nacht mit dem Zug von Köln zurück nach Heidelberg unterwegs sein — aber das ist es mir wert, den Chef-Trickser live zu erleben.

(*) Der Link führt in den Bereich show_comedy… Sagt das nicht schon alles?

Kundenservice

Also gut, dass Deutschland kein Service-Land ist, wissen wir ja, auch wenn man das Wort “Service” seit einigen Jahren immer häufiger hört und liest. Aber wenn man es denn mal liest, äußert sich darin mitunter eine eher kuriose Vorstellung von Service. So zum Beispiel in einer Mail der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH, in der wir auf die jährliche Erfassung der Stromzähler hingewiesen worden sind:

Sie können mit Erhalt der E-Mail die Zählerstände selbst ablesen und uns diese im Online-Kundenservice unter http://www.wvv.de/kundenservice mitteilen.

Da fragt man sich dann doch, ob “Kundenservice” Service für oder vielleicht doch eher vom Kunden ist…

Novellierung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek

Manchmal fragt man sich ja, was die diversen Politiker den lieben langen Tag so machen. In den nächsten Tagen werden sie zunächst damit beschäftigt sein, sich für etwa 100 Millionen Euro zu tagen — auf die handfesten Ergebnisse, die bald Umsetzung finden, darf man gespannt sein.

Aber, wenn sie das grad mal nicht machen, kommen sie noch auf andere lustige Ideen: Zum Beispiel wurde ja mit der Novellierung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek eingeführt, dass alle deutschen Internetseiten in ebendieser Bibliothek gespeichert werden sollen. Das ist nun aber eigentlich nichts, wozu man ein Gesetz erlassen, Strafen (bis 10.000 Euro Ordnungswidrigkeit!) hinterlegen und bürokratische Formulierungen schaffen müsste. Man könnte es einfach so machen wie archive.org. Aber nein! Hoch lebe die Regulierung und mindestens ebenso hoch lebe die Unsicherheit und Unklarheit. Muss ich jetzt als privater Freizeit-Website-Macher meine Website abliefern? Soll tatsächlich jedes Internetforum jeden Beitrag bei der Nationalbibliothek abliefern?

Update (31.10.2008): Es geht ja doch anders! Die Nationalbibliothek hat ein Einsehen und verwendet (wie von mir vorgeschlagen ;-)) automatische Crawler, um Blogs und andere unregelmäßige Netzpublikationen für die Ewigkeit zu konservieren.

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